Leitartikel

'Das verändert alles', ist die berühmte Aussage von Naomi Klein zum Klimawandel.
Hat es uns denn schon verwandelt? Wie haben antimilitaristische Bewegungen auf die Herausforderung des jetzigen und zukünftigen Klimawandels reagiert? Es ist wieder eine Herausforderung, die enorme globale Machtungleichheiten aufdeckt, wobei die Aktivitäten der Industrienationen die Gesellschaften auf der ganzen Welt aktiv zerstören, und besonders im globalen Süden, der kaum zu diesem Problem beigetragen hat. Industrienationen im Norden erhalten mit Hilfe ihres Militärs den Status Quo (siehe unsere neuere Ausgabe von Das Zerbrochene Gewehr zur Militarisierung der Grenzen).

Und welches Gewicht geben wir dieser enormen Überlegung – die unsere antimilitaristischen Vorgänger noch nicht in Betracht ziehen mussten – gegenüber der anderen von uns geforderten Arbeit zum Wandel der Welt? Wie können wir auf eine „Klimalinse“ hinarbeiten, in welcher Umweltaktivismus nicht die Befreiungskämpfe der Feministen, der farbigen Menschen, homosexuellen Gruppen, Ureinwohner und anderer überholt oder die systemverändernde Arbeit der Antimilitaristen, sondern im Rahmen all dieser verstanden und eingebunden wird?
Schließlich spiegelt sich die Respektlosigkeit Der Maschine gegenüber der Erde wieder in der Gleichgültigkeit dieser gegenüber allen Menschen und anderen Spezies, die in diesem militarisierten, kapitalistischen System die Verlierer sind.

Wir hoffen, dass wir in dieser Ausgabe von Das Zerbrochene Gewehr ein paar Denkanstöße geben können.

Wir wählten das Thema Klimawandel und Antimilitarismus für diese Ausgabe während der Klimakonferenz in Paris im letzten Jahr – einer Konferenz, die an der Oberfläche der Handhabung der Umweltkrise durch die Regierungen einen Schub versetzt hat. Dies ist die erste Ausgabe von Das Zerbrochene Gewehr zu diesem Thema, obgleich in anderen Ausgaben schon auf unterschiedliche Überschneidungen „Militarismus und Umwelt“ geschaut haben, wie militarisierte und kolonisierte Minenindustrien, Landnahme und Militarismus, und wie Klimawandel und Energiesicherheit mit dem Waffenhandel zusammenhängen.

Diese Ausgabe besteht aus drei Teilen. Erstens: wir untersuchen militärische und staatliche Ansätze – wir sehen ja, dass das Militär ein Antreiber des Klimawandels ist und militaristische Lösungen dafür akzeptiert. Suad Badri schaut sich die florierende „Aktivismus-Akademie“ im Sudan an und deren Herangehensweise an die Verbindungen zwischen Konflikt und Klimawandel um das Horn von Afrika. Shin Soo Yeon von Green Korea United und Cristóbal Orellana González von Red Antimilitarista y Noviolenta de Andalucía (Rote Antimilitaristen und Gewaltfreiheit Andalusiens) beschreiben die negativen Umweltauswirkungen der militärischen Aktivitäten in Korea bzw. Spanien. Als Abschluss dieses ersten Abschnitts fragt Nick Buxton wessen Zukunft denn durch militarisierte Antworten auf Klimaunsicherheiten gesichert wird und warnt vor der Tendenz hin zu militaristischen Antworten auf den Klimawandel.
Zweiten: wir sehen uns die Verbindungen an zwischen Klimawandel und Antimilitarismus, mit 'Towards an ecosocialist horizon' (Zu einem ökosozialistischen Horizont) von Quincy Saul, Just Transition (Gerechter Übergang) von Milan Rai und Animal agriculture: the concealed cause of climate change (Viehzucht: die versteckte Ursache für den Klimawandel) von einem Autor, der sich auf die anthropozentrischen Wurzeln sowohl des Umweltdisasters als auch des Militarismus konzentriert.

Schließlich schauen wir auf Bewegungen und Aktivisten-Antworten auf den Klimawandel. Ron Ridenour ruft auf zu größerer Verbindung zwischen Friedens- und Umweltkämpfen und Adi Winter beschreibt in 'Blood is Blood' (‚Blut ist Blut‘) die Notwendigkeit, die Verbindung zwischen unterschiedlichen Arten von Gewalt – z. B. gegen Menschen, Tiere und andere Lebewesen und die Erde selbst – zu verstehen. Wir enden mit ein paar anregenden Beispielen von Aktivismus, der Umweltthemen und antimilitaristische Anliegen verbunden hat. Jo Ram untersucht den Nutzen der  Taktik des Aufrufs zu Divestment von Fossilen-Brennstoff-Unternehmen, besonders in UK; Arni beschreibt die Arbeit von EcoMe, einem „interkulturellen Lebensexperiment“ in der West Bank, und wir schließen mit einem anregenden Interview mit Samantha Hargreaves von WoMin, einem Netzwerk afrikanischer Frauen, die zu Minenindustrie und Gender über den ganzen Kontinent arbeiten.

Hannah Brock

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