Todesdrohungen gegen Red Juvenil de Medellin

Stellungnahme des geschäftsführenden Vorstands von War Resisters’ International

War Resisters' International ist sehr besorgt angesichts der Todesdrohungen gegen die kolumbianische Partnerorganisation Red Juvenil de Medellin. Das Netzwerk erhielt letzte Woche Todesdrohungen im Namen der “Aguilas Negras” (Schwarze Adler), eine gebräuchliche Selbstbezeichnung von offiziell demobilisierten paramilitärischen Gruppen [1].

Am Donnerstag, den 29. und Freitag, den 30. Mai erhielt das Red Juvenil de Medellin von redesnegras@hotmail.com die folgende Nachricht: “Tod den Anarchisten, die sich als Pazifisten ausgeben. Keine weiteren Drogen- und Kommunistenkonzerte. Keine weitere Nachricht.” Die mit “Aguilas Negras” gezeichneten Drohungen richteten sich namentlich an acht Mitglieder und enge Freunde des Red Juvenil [2].

War Resisters' International zeigt sich besorgt angesichts der Nachlässigkeit der Behörden von Medellin, die das Wiederentstehen von Gruppen wie der Aguilas Negras dulden, die die Menschenrechte in Medellin und insbesondere von Jugendorganisationen wie dem Red Juvenil gefährden. War Resisters' International mahnt die Behörden von Medellin und ganz Kolumbien, dass der Schutz vor Menschenrechtsverletzungen wie durch die Aguilas Negras in ihrer Verantwortung liegt. Sie werden Rechenschaft über ihre Untätigkeit ablegen müssen, wenn die Aguilas Negras ihre Todesdrohungen gegen Aktivisten des Red Juvenil in die Tat umsetzen.

War Resisters' International erklärt seine ausdrückliche Solidarität mit und Unterstützung für die Partnerorganisation Red Juvenil und dessen Aktivisten und Aktivistinnen. Diese setzen sich unter schwierigen Bedingungen für Gewaltfreiheit als Mittel gegen den Militarismus und die Gewalt in der kolumbianischen Gesellschaft ein und lehnen die Beteiligung an jeglicher bewaffneter Gruppe, sei sie legal oder illegal, ab.

War Resisters' International ruft dazu auf, Solidaritätserklärungen an das Red Juvenil zu senden und Protestbriefe an die Behörden von Medellin und die kolumbianische Regierung zu richten [3].

Die neuen Drohungen trafen nach zwei Vorkommnissen jüngeren Datums ein:


  • Am Morgen des 15. Mai stellten Mitglieder des Red Juvenil bei der Ankunft in ihrem Büro fest, dass die elektrischen Sicherungen gestohlen worden waren. Sie gingen sofort von einer Verbindung zu den Schutzgeldforderungen (“vacuna”) für den Laden des agrar-ökologischen Netzwerks Raiz (Wurzel) aus, die zu zahlen das Netzwerk sich weigert.
  • Am 17. Mai 2008 veranstaltete das Red Juvenil das “XIV. Antimilitaristische Konzert zur Feier seines 10jährigen Bestehens” in Labor Park in Boston [4]. Das Konzert wurde behindert, weil die Corporacion Democracia ihre Absprache mit der städtischen Behörde nicht einhielt: anstatt deren Veranstaltung mit vertriebenen Müttern wie geplant um 11 Uhr 30 zu beenden, dauerte diese bis 14 Uhr an – erst um 19 Uhr war die Bühne frei. Auch wenn diese Verschiebung des geplanten Ablaufs laut Red Juvenil gleichbedeutend mit einem Sabotageversuch der Corporacion Democracia ist [5], fand das Antimili-Konzert dennoch mit grossem Erfolg statt: über 5.000 junge Menschen nahmen daran teil, die die Vision einer anderen Gesellschaft teilen und sich allen Formen von Unterdrückung und Militarismus widersetzen.

Das Red Juvenil de Medellin, ein Netzwerk von Jugendgruppen, arbeitet seit 1990 in Medellin. Es setzt sich für Gewaltfreiheit ein und verwendet häufig Kunst und Kultur als Medien, um seine Philosophie des Widerstands gegen Unterdrückung und alle Formen von Militarismus auszudrücken.

Die Todesdrohungen richten sich gegen diesen positiven Ausdruck von Gewaltfreiheit, wie es durch eine Formulierung wie “Tod den Anarchisten, die sich als Pazifisten ausgeben. Keine weiteren Drogen- und Kommunistenkonzerte” deutlich wird. Das Ziel der Aguilas Negras ist es, die Gesellschaft zu homogenisieren, Uniformität durchzusetzen und Diversität keinen Raum zu lassen. Die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sind Todesdrohungen wie gegen das Red Juvenil, gefolgt von “sozialen Säuberungen”, wie der Jahresbericht 2007 des Büros des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Kolumbien belegt [6]. Durch sein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit tritt die WRI-Partnerorganisation Red Juvenil für die Verteidigung des Lebens ein und widersetzt sich, wo Menschen aus dem Weg geschafft werden, die anders denken.

War Resisters' International, geschäftsführender Vorstand, 9 Juni 2008

Erläuterungen

[1] Schwarze Adler (Aguilas Negras) ist ein häufig benutzter Name der neu entstehenden bewaffneten Gruppen, die sich zum Grossteil aus offiziell demobilisierten Paramilitärs zusammensetzen. Die Strukturen, Interessen und Vorgehensweisen dieser Gruppen sind nicht homogen, und der Gebrauch von identischen Namen für sie verdeckt häufig die Vielzahl der Aktivitäten, Ziele und Verbände. Unter welchem Namen auch immer bleiben diese Gruppen jedoch ein Anlass zur Besorgnis, da sie Gewalt gegen die Zivilbevölkerung ausüben. Viele dieser Gruppen üben ausschliesslich illegale Aktivitäten aus, die eine Kontrolle über das Land und die Bevölkerung einschliessen, wie Drogenhandel, Erpressungen, kriminelle Geschäfte und sicherheitsbezogene Aktionen. Ihre Aktivitäten gefährden die Bevölkerung in hohem Masse, sei es durch Morde, Massaker, “soziale Säuberungen”, Todesdrohungen oder die Rekrutierung von Kindern. Dies macht es notwendig, dass die kolumbianischen Behörden immer grössere Anstrengungen zur Bekämpfung dieser Gruppen unternehmen und die möglichen Verbindungen dieser Gruppen zu staatlichen Angestellten und lokalen Politikern untersuchen. Die Behörden haben herausgefunden, dass ehemalige mittlere Kader früherer paramilitärischer Gruppen nun als Köpfe dieser neuen Gruppen agieren, und dass etliche untere Mitglieder seit ihrer angeblichen Demobilisierung heute in Landstrichen operieren, die einst unter dem Einfluss der Paramilitärs standen. Laut Informationen des UNHCHR-Büros in Kolumbien stehen diese in engem Kontakt zu demobilisierten paramilitärischen Anführern. (Office of the High Commissioner for Human Rights in Colombia: Annual Report 2007)

[2] Die Liste umfasst die Namen folgender Personen, die früher oder derzeit im Red Juvenil aktiv waren oder sind: Gloria Castaño, Martin Rodriguez, Paula Galeano, Eduardo Castrillon, Alexandra Castrillon, Patricia Llano, Diegro Agredo und Claudia Montoya.

[3] Adressen :

[4] Seit fast 15 Jahren organisiert das Red Juvenil an einem Samstag rund um den 15. Mai – dem Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerung - das Konzert “Antimili Sonoro” als Ausdruck eines kulturellen Widerstands gegen Militarismus.

[5] Corporación Democracia ist die Organisation, die seit den Verhandlungen mit der Regierung 2006 die “demobilisierten” Paramilitärs repräsentiert und reintegriert.

[6] ANNUAL REPORT OF THE UNITED NATIONS HIGH COMMISSIONER FOR HUMAN RIGHTS AND REPORTS OF THE OFFICE OF THE HIGH COMMISSIONER AND OF THE SECRETARY-GENERAL: Report of the United Nations High Commissioner for Human Rights on the situation of human rights in Colombia, 2007

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