Balkan Peace Team

Artikel in The Broken Rifle No 29, 1994.

Offene Augen in Kroatien

Otvorene Oči - "Offene Augen", das Balkan Peace Team in Kroatien - beginnt seine Arbeit sowohl in Split als auch Zagreb. Am Ende der zweimonatigen Erkundung schlug das Team vor, dass ein Team in Split auf den Bedarf für unabhängige Menschenrechtsbeobachtung dort reagieren sollte, um die einheimischen MenschenrechtsaktivistInnen in ihrem Kampf zu unterstützen, und mit der Perspektive einer späteren Erweiterung des Balkan Peace Teams nach Bosnien-Herzegowina. Während der Erkundungsphase hat das Team unter anderem eine Anhörung zur Anklage gegen Mitglieder der “Dalmatien-Aktion” beobachtet, denen vorgeworfen worden war, einen Bombenanschlag auf ihr eigenes Büro verübt zu haben. Das Team verfasste den einzigen glaubwürdigen unabhängigen Bericht über das Gerichtsverfahren.

Otvorene Oči wird auch seine Präsenz in Zagreb aufrecht erhalten, damit es Fälle im Kontakt mit der Zentralregierung weiterverfolgen kann und für Entwicklungen in anderen Teilen Kroatien zur Verfügung stehen kann.

Die AktivstInnen in der kroatischen Anti-Kriegs-Bewegung haben über einige Monate hin den starken Wunsch geäußert, eine internationale gewaltfreie Präsenz in Split zu haben. Gegenwärtig ist die Siuation etwas ruhiger als Ende letzten Jahres; wenn sie sich aber wieder aufheizt, hat das Team jedenfalls die notwendige Basisarbeit erledigt, um schnell und effizient reagieren zu können.

Kosovo Erkundungsmission

Die ursprüngliche Projektidee des Balkan Peace Teams bestand darin, ein internationales Freiwilligen-Team in den Kosovo zu entsenden. Allerdings wurden im letzten Jahr verschiedene andere internationale Teams aus Kosovo ausgewiesen, und die Mission der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) musste gehen, als die jugoslawische Regierung ihr Mandat nicht verlängern wollte.

In diesem April schickte das Balkan Peace Team ein dreiköpfiges Team nach Belgrad und Prishtina, um festzustellen, ob das Projekt nun begonnen werden könne. Obwohl die Situation in Kosovo noch immer so unlösbar erscheint wie je, gab es im letzten Jahr doch einige bemerkenswerte Veränderungen. Der Milizenführer Arkan hat Prishtina verlassen, wenigstens vorläufig. Wenngleich in Prishtina selbst weniger Polizeigewalt zu verzeichnen war, hat der Rat zur Verteidigung von Menschenrechten mehr Gewaltereignisse in den Dörfern dokumentiert. Die unabhängigen, albanisch geführten Mutter-Theresa-Kliniken behandeln jetzt serbische PatientInnen (etwa zehn pro Woche) und liefern Arzneimittel an die serbisch geführten Regierungskliniken. Das Interesse in Kosovo an den demokratischen Oppositionskreisen in Belgrad ist gewachsen, und eine Serie von Dialogen zwischen Intellektuellen aus Belgrad und Kosovo läuft gerade. Gleichzeitig haben einige prominente politische Köpfe des Kosovo – einschließlich des ehemaligen Parteiführers der Sozialdemokraten, Shkelzen Maliqi, des früheren Vositzenden der Parlamentarischen Partei, Veton Surroi, und des ehemaligen LDK Vorstandsmitglieds Rexhep Ishmajli, - alle starke Befürworter gewaltfreier Methoden – die Parteipolitik verlassen. Das Erkundungsteam fand, dass es viele Möglichkeiten für ein internationales Team gibt, Möglichkeiten für Dialog zu identifizieren. Teammitglieder, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind – mit Flüchtlingen, mit Kindern, mit Frauen, mit Computern, mit Erziehenden, mit religiösen Gemeinschaften – könnten als nützliche VermittlerInnen zwischen den zwei Gemeinschaften dienen.

Obwohl sie gerade in der Woche in Jugoslawien waren, als die Luftangriffe um Gorazde herum stattfanden, wurden die Mitglieder des Erkundungsteams zu einem zweistündigen Treffen mit einem leitenden Gesandten im jugoslawischen Außenministerium eingeladen (der auch einer der Mit-Autoren der serbischen Verfassung ist). Das BPT schlug ein dreimonatiges Pilotprojekt vor und bekam zur Antwort, “jetzt ist nicht die Zeit für irgendein internationales Projekt, aber in drei Monaten kann sich die Situation geändert haben”.

Deshalb macht das BPT weiter und plant, im August oder September ein Pilotproject in Kosovo aufzubauen. Wir brauchen dafür weitere weibliche Freiwillige.

Gesucht: Projekt-Koordinator/in

Für das internationale Freiwilligenprojekt für Menschenrechte und Dialog im Balkan suchen wir eine/n ProjektkoordinatorIn. Es gibt ein kleines Gehalt und hohe Erwartungen: Sehr gutes Englisch,

Büroorganisationsfertigkeit, Teamarbeit, Freiwilligenbetreuung, Verpflichtung auf Freiwilligkeit.

Arbeitsort ist Verhandlungssache, vorzugsweise in London/ GB oder in Minden/ Deutschland. Für Deutsche: ABM-Berechtigung von Vorteil. Nachfragen bis Ende Juni, Bewerbungsschluss 15. Juli 1994. Bitte diese Ausschreibung mit der unten angegebenen Adresse des BPT weitergeben!

Dringend: Wir suchen Freiwillige

Für das Balkan Peace Team brauchen wir Freiwillige. Sie sollten der Gewaltfreiheit verpflichtet sein und bereit sein, einen unbezahlten Dienst für mindestens ein halbes Jahr zu leisten. Sie sollten gute TeamarbeiterInnen sein, mit Stress umgehen können und müssen an den vorbereitenden Trainings teilnehmen. Die Arbeitssprache wird Englisch sein, aber es wird erwartet, dass sie Grundkenntnisse der lokalen Sprache/n erwerben.

Das Projekt wird die Kosten ihres Aufenthaltes (Unterkunft und Verpflegung) übernehmen, und die Freiwilligen werden während ihres Dienstes ein Taschengeld erhalten. Von den Freiwilligen wird erwartet, dass sie zuhause eine Unterstützungsgruppe aufbauen, die für die Reisekosten aufkommt und zum Taschengeld beiträgt sowie persönliche und politische Unterstützung für die Freiwilligen leistet. Bewerbungsformulare sind beim BPT erhältlich (Adresse siehe unten)

Alarm-Netz

Das Balkan Peace Team baut gerade ein Netzwerk von Gruppen und Personen auf, die im Falle einer Alarmierung durch eines der Teammitglieder reagieren. Auf welche Art sie reagieren, können die Netzwerk-Mitglieder selbst bestimmen, indem sie ein Formular ausfüllen, das im BPT büro erhältlich ist.

Finanzierung für das Balkan Peace Team

Das Balkan Peace Team ist ein wichtiges Projekt - nicht nur für die Gebiete, in denen es aktiv ist, sondern für die Entwicklung sachkundigen gewaltfreien Eingreifens. Das Projekt wurde durch den Bund für Soziale Verteidigung and War Resisters' International initiiert und ist für den Internationalen Versöhnungsbund und Peace Brigades International ein wichtiges Projekt geworden. Andere Gruppen aus Frankreich und Deutschland nehmen ebenso daran teil, und weitere Mitgliedsorganisationen sind willkommen. Finanzielle Unterstützung für das Projekt kann direkt auf das Projektkonto in Deutschland überwiesen werden oder - mit einem Vermerk “BPT” - an WRI.

Autor: Howard Clark, 1994

Das Balkan Peace Team hat 2001 seine Arbeit eingestellt. Barbara Müller hat eine Studie über das BPT verfasst, in deutsch und Englisch. Siehe http://www.ifgk.de/publikationen/buecher/

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