Zu den Arbeitsgruppen

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Freitag Abend

Mapping der Militarisierung der Jugend in verschiedenen Regionen

Die Arbeit gegen die Militarisierung der Jugend erfordert zu aller erst ein Bewusstsein und Verständnis der verschiedenen Formen der Militarisierung. Das Ziel der Diskussion in Kleingruppen am Freitag Abend ist es, ein 'Mapping' zu den verschiedenen Formen zu erstellen, in denen das Militär und Militarismus im Leben junger Menschen präsent sind. Jede der Gruppen wird aus TeilnehmerInnen aus verschiedenen Teilen der Welt und mit unterschiedlichem organisatorischen Hintergrund bestehen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wünschen wir uns, daß Ihr die verschiedenen Formen, in denen die Militarisierung von Jugendlichen entsprechend der Erfahrungen der Mitglieder der Gruppe, stattfindet. Nachdem Ihr diese aufgelistet habt, diskutiert bitte Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den verschiedenen von Mitgliedern der Gruppe erwähnten Situationen. Versucht aufzuzeigen, auf welche Art soziale, wirtschaftliche, politische, und andere Rahmenbedingungen Einfluß auf die Militarisierung Jugendlicher in verschiedenen Ländern/Regionen haben.
Die Kleingruppen sollten ihre Diskussion selbst moderieren. Es ist Eure Verantwortung als Gruppe, diese Diskussion offen und fruchtbar zu gestalten, und die Ergebnisse schriftlich zu dokumentieren, und den anderen Tagungs-TeilnehmerInnen im Abendplenum zu präsentieren.

Samstag Vormittag

Militär und öffentlicher Raum
(Moderation: Diana Dolev und Ruti Kantor)

Unser ziviles Umfeld enthält viele militaristische Bilder: SoldatInnen in Uniform, Pistolen und Gewehre, Militärparaden und vieles andere. Doch sind wir uns ihrer Präsenz und der Konsequenzen immer bewusst?
Wir alle können militärische und militaristische Bilder identifizieren, selbst wenn sie in Anzeigen oder Computerspielen erscheinen. Doch warum sind wir uns der militärischen und militaristischen Bilder in öffentlichen Räumen nicht bewusst? Wie werden diese versteckt/transparent? Wie haben wir uns selbst trainiert, das Erscheinen von Militarismus in unserem zivilen Umfeld zu vermeiden?
Die Arbeitsgruppe wird mit Beispielen aus unserem eigenen (israelischem) Kontext beginnen, in dem wir einige Bilder militarisierter Räume in Israel zeigen, insbesondere solche, die von der Öffentlichkeit im allgemeinen nicht als solches identifiziert werden, wie z.B. eine Kunstgallerie in einem militärischen Saal des Gedenkens, oder eine Comicfigur einer Lotterie.
Wir werden dann die Teilnehmenden bitten, ihr eigenes geographisches und kulturelles militaristisches Umfeld zu teilen. Gemeinsam werden wir die Prozesse enthüllen, die zu einem neuen Bewusstsein führen, dass zu einer kritischen Herangehensweise führen kann: wir werden gemeinsam die Quellen unseres Unbewusstseins und die Gefahren, die damit zusammen hängen, wenn dies ein normaler Bestandteil der zivilen Umgebung wird, identifizieren. Wir werden insbesondere den Einfluss, den dieses Phänomen auf junge Menschen hat, betrachten, und Wege erörtern, wie dies verändert werden kann.

Die Teilnehmenden sind eingeladen, Bilder mitzubringen, die sie gerne teilen möchten.

Militainment: Krieg auf dem Bildschirm
(Moderation: Michael Schulze von Glaßer)

US-Truppen marschieren 2014 in den Iran ein, die russische Armee besetzt 2016 Berlin und Hamburg und die USA sind im Jahr 2027 von Nordkorea erobert – heutige Videospiele erzählen brisante Geschichten. Oft werden dabei einem Millionenpublikum vor allem westliche Feindbilder dargeboten und Ängste verbreitet. Auf der anderen Seite propagieren viele Spiele soldatisches Heldentum und moderne Rüstungsgüter. Bei der Entwicklung neuer Spiele schrecken die Softwarefirmen auch nicht vor einer Zusammenarbeit mit Rüstungsunternehmen und dem staatlichem Militär zurück. Schon seit langem sind solche Kooperationen mit dem Militär in der Film-Industrie etabliert. Kaum ein Blockbuster-Kriegsfilm an dem das Militär nicht beteiligt ist. Natürlich werden dabei nur Medienproduktionen unterstützt, die dem Militär wohlgesonnen sind und die von Armee und Rüstungsfirmen gewünschten Bilder vermitteln.
Im Workshop soll in einer kurzen Einleitung ein Überblick über die politische Dimension von Kriegs-Videospielen und Filmen und die Kooperationen zwischen Militär, Rüstungindustrie und der Medienbranche gegeben werden. Anschließend sollen Alternativen - etwa kriegskritische Videospiele - vorgestellt und über den ganzen Komplex des Militainment diskutiert werden.

Militarisierung analysieren: Bildung und Militär
(Moderation: Emma Sangster & Ralf Willinger)

In vielen Ländern können wir eine Zunahme der Präsenz des Militärs im Bildungswesen beobachten. Zusätzlich zu direkten Anwerbeaktivitäten dienen Präsentationen des Militärs und Reden zur Karriere, Kasernenbesuche, Praktika, Betreuung und Lehrmaterialien als unabdingbare Rekrutierungs- und Propagandamittel der Streitkräfte. In manchen Ländern ist die Militarisierung von Schulen und Hochschulen so weit fortgeschritten, dass die RekrutiererInnen direkten Zugang zu den StudentInnen und Informationen über sie haben. Anderswo entwickeln die Streitkräfte einen sanfteren Ansatz, der dennoch darauf abzielt, junge Menschen innerhalb des Bildungssystems direkt zu beeinflussen.

In dieser Arbeitsgruppe wollen wir die Situation in verschiedenen Ländern vergleichen, und die verschiedenen Wege betrachten, wie das Militär Zugang zu und Einfluss auf StudentInnen in Schulen und Hochschulen erhält. Welche Rolle spielen Gesetze, die Schulbehörden, Lehrergewerkschaften, LehrerInnen und andere in diesem Prozess? Wie reagieren SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern auf die Präsenz des Militärs in ihren Schulen? In der Arbeitsgruppe wollen wir die Situation beschreiben, als Vorbereitung auf die Diskussion am Nachmittag, wie Widerstand gegen Militarismus im Bildungswesen geleistet werden kann.

Queer/gender und Militarismus
(Moderation: Andreas Speck)

In dieser Arbeitsgruppe wollen wir den Zusammenhang zwischen Gender, Sexualität, und Militarismus beleuchten. Auf welche Art und Weise trägt das Militär zur Aufrechterhaltung von Patriarchat und Heteronormatismus in unseren Gesellschaften bei? Was sind die Vorstellungen von Männlichkeit, Weiblichkeit, und Sexualität, die vom Militär propagiert werden? Und auch: auf welche Art nutzt das Militär Vorstellungen von Männlichkeit, Weiblichkeit und Sexualität in der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Rekrutierung?
In vielen Ländern präsentiert sich das Militär heute als „Arbeitgeber mit gleichen Chancen“, offen für Frauen, Queers, und ImmigrantInnen. Doch wie sieht die Wirklichkeit von Frauen oder Queers im Militär aus? Tragen Frauen oder Queers im Militär dazu bei, dass das Militär eine weniger patriarchale Institution wird?
Die Arbeitsgruppe hat ihren Schwerpunkt auf einen Austausch unter den Teilnehmenden, und wir werden verschiedene Methoden einsetzen.

Rekrutierung von ImmigrantInnen und Jugendlichen mit niedrigem Einkommen
(Moderation: David Gee)

Samstag Nachmittag

Widerstand in Bildungseinrichtungen
(Moderation: Kai-Uwe Dosch und Sarah Roßa)

In unserem Workshop wollen wir mit verschiedenen kreativen Moderationsmethoden die Erfahrungen der Workshopteilnehmer_innen mit Widerstand gegen Militarisierung im Bildungsbereich austauschen. Zudem werden wir weitere Ideen sammeln und erarbeiten, wie Widerstand gegen eine fortschreitende Militarisierung des Bildungsbereiches geleistet werden kann.
Dabei werden uns Fragen beschäftigen wie: Welchen Stellenwert hat die Beteiligung friedensbewegter Menschen im Bildungsbereich für die Chancen einer Kritik am Militär in der Bildung? Ist eine vollständige Entmilitarisierung des Bildungsbereiches überhaupt möglich? Auf welchen Ebenen kann der Widerstand Erfolg haben: auf Ebene der Schulverwaltungen, einzelner Schulen oder auf der Ebene der Schüler_innen selbst? Welche Formen des Widerstandes erscheinen uns möglich?

Queerer Widerstand
(Moderation: Hanns Molander und Cattis Laska, Ofog)

In dieser Arbeitsgruppe werden wir Erfahrungen, Ideen und Strategien austauschen dazu, wie Annahmen und Vorurteile zu gender/Sex und Sexualität in Rekrutierungskampagnen und Kriegs/Verteidigungspolitik genutzt werden.

  • Was können wir tun, wenn das Militär Begriffe und Kämpfe vereinnahmt, bei denen es um Menschenrechte gehen sollte (z.B. schwul-lesbisch-queer-transgender oder Begriffe wie 'Demokratie', 'Sicherheit' und 'Frieden')?
  • Wie können wir den Kampf gegen Heterosexismus in die Arbeit gegen militärische Rekrutierung integrieren, und allgemeiner in unsere antimilitaristische Arbeit?
  • Welche Strategien und Methoden können wir nutzen um Gruppen zu erreichen, die davon bedroht sind, vom Militär rekrutiert zu werden?

VeteranInnen
(Moderation: Kelly Dougherty)

VeteranInnen und aktiven Dienst leistende SoldatInnen bringen eine einzigartige Perspektive und wichtige Erfahrungen in die Organisationsarbeit gegen Krieg und Militarismus ein. Viele Männer und Frauen, die militarisiert wurden und aktiv an einem Krieg beteiligt waren, wurden durch ihre Erfahrungen radikalisiert und können sehr wirkungsvolle AktivistInnen sein. Ein Netzwerk von nicht-militärischen UnterstützerInnen, für gegenseitige Unterstützung, Arbeiten und Lernen ist für VeteranInnen und aktive SoldatInnen, die zu Themen von Militarismus arbeiten, extrem wichtig. Dies ist aber oft sehr schwierig. ZivilistInnen wissen oft nicht, wie sie auf (Ex-)SoldatInnen zugehen sollen, und VeteranInnen und SoldatInnen empfinden es oft als schwierig, mit Menschen, die von der Realität von Krieg und Militärdienst weit entfernt sind, umzugehen.
Über die Jahre hat Iraq Veterans Against the War (IVAW) damit gekämpft, einen eigenen Platz in der breiteren Antikriegsbewegung zu finden, und wie mit nicht-militärischen Verbündeten zu arbeiten. Derzeit arbeitet IVAW eng mit der Civilian Soldier Alliance (CivSol) zusammen, eine Organisation, die direkt mit VeteranInnen und aktiven SoldatInnen arbeitet, um eine SoldatInnen-Widerstandsbewegung aufzubauen, die für eine gerechte Außenpolitik arbeitet. Die Strategie von IVAW ist es, VeteranInnen und die militärische Gemeinschaft zu organisieren, so dass sie den Kriegen und dem System, das diese ermöglicht, die Unterstützung entziehen. IVAW und CivSol nutzen diese Strategie in ihrer derzeitigen Kampagne, Operation Recovery (Operation Gesundung). Op Rec zielt darauf ab, für aktive SoldatInnen und VeteranInnen das Recht auf Heilung von militärischem Trauma zu gewinnen, und sie zu bestärken, die militärische Kultur, die zu Trauma und Entmenschlichung führt, zu hinterfragen. Ich werde darüber sprechen, wie wichtig es ist, VeteranInnen und SoldatInnen zu ermuntern, im Kampf gegen Krieg und Militarismus eine führende Rolle einzunehmen, und welche Herausforderungen und Barrieren existieren, und darüber, wie sich die Organisationsarbeit von IVAW in den letzten acht Jahren entwickelt hat.

Direkte Aktionen gegen die Militarisierung der Jugend
(Moderation: Cecil Arndt)

In den verschiedenen Ländern nimmt die Militarisierung der Jugend unterschiedliche Strategien, Formen und Entwicklungen an – angefangen bei der Normalisierung von Krieg und Militär bis hin zur konkreten Rekrutierung. Ebenso unterschiedlich, häufig jedoch um ein vielfaches phantasievoller nimmt sich der Widerstand dagegen aus - in diesem Workshop wollen wir uns mit den verschiedenen Strategien und Formen von direkten Aktionen auseinandersetzen, mit denen der Militarisierung der Jugend in verschiedenen Ländern auf unterschiedlichen Ebenen begegnet wird. Dabei ist es wichtig, uns auch mit den international und individuell sehr verschiedenen Bedingungen von politischen Auseinandersetzungen und direkten Aktionen auseinanderzusetzen und uns zu fragen, wie wir uns gegenseitig über Grenzen und politische Fraktionen hinweg solidarisch aufeinander beziehen und uns unterstützen können.
Im Austausch über unsere Erfahrungen, Strategien und Ideen können wir voneinander lernen, uns gegenseitig inspirieren und gemeinsam neue und vielfältige Ideen für Aktionsformen und Interventionen jenseits der appellativen und parlamentarischen Ebene zu entwickeln.

Kinderrechte
(Moderation: Ralf Willinger, Helen Kearney, Geneva)

Nach einer kurzen Einführung zu Kinderrechten und den bestehenden Berichts- und Überwachungsmechanismen, und einem Beispiel, wie diese genutzt werden können (basierend auf dem deutschen Schattenbericht zu Kindersoldaten) werden die Teilnehmenden ihre Erfahrungen austauschen, sowohl zum Thema Kinderrechte als auch zum Widerstand von Kindern und Jugendlichen.

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