Buchbesprechung

Dedovschchina in the Post-Soviet Military

Hazing of Russian Army Conscripts in a Comparative Perspective

Françoise Dauce und Elisabeth Sieca-Kozlowski (Hrsg.), ibidem-Verlag, Stuttgart 2006

Dieses Buch ist nicht aus einer pazifistischen Perspektive heraus geschrieben - viele der AutorInnen schreiben von einer deutlich pro-militärischen Perspektive. Doch ist das kein Mangel, denn wir als LeserInnen können diese Perspektive leicht hinzufügen. Was das Buch bietet ist ein Einblick in das Phänomen der dedovshchina - der Misshandlung russi-scher Wehrpflichtiger in einem Ausmass, wie es in westlichen Gesellschaften unbekannt ist.

Die AutorInnen betrachten dedovshchina im Kontext der russischen post-sowjetischen Gesellschaft - ein Kontext geprägt von einem radikalen Wandel der Regeln innerhalb der Gesellschaft, von Sozialismus sowjetischer Prägung zu einem wilden Kapitalismus - und ansteigender sozialer Vernachlässigung. Doch wird damit nicht suggeriert, dass es dedovshchina zu Zeiten der Sowjetunion nicht gegeben hätte - tatsächlich haben die Komitees der Soldatenmütter dedovshchina zuerst unter Gorbatschov an die Öffentlichkeit gebracht.

Die HerausgeberInnen schreiben in ihrer Einleitung: "Dedovshchina steht am Scheideweg der Veränderungen, die in Russland seit dem Verschwinden der Sowjetunion stattgefunden haben. Unter anderem ist es die Folge des historischen Erbes (sowjetisch und sogar aus den Zeiten des Zares), kultureller Spannungen (inter-ethnische Konflikte in der UdSSR), politischer Dysfunktionen (Mangel an Demokratie) und wirtschaftlicher Probleme (Mangel an Geld innerhalb der Armee), die alle zusammen die Langlebigkeit dieses negativen Phänomens erklären" (S18). Viele russische Gruppen befürworten die Professionalisierung des russischen Militärs als eine Lösung des Problemes der dedovshchina, das sie als Folge der Wehrpflicht ansehen. Doch die AutorInnen dieses Buchen geben einem genug Gründe, skeptisch gegenüber einer solch einfachen Lösung zu sein. Joris van Bladel kommt in seinem Beitrag zu folgendem Schluss: "Wenn wir von einem professionellen Militär sprechen, dann müssen wir vorsichtig sein, was genau wir damit meinen. Wenn wir damit die Art meinen, wie SoldatInnen rekrutiert werden, ohne qualitative Veränderungen im Militär, mit ihrer Abgeschlos- senheit als wichtigster Eigenschaft, dann wird dedovshchina nicht verschwinden. Die gleichen Fehlfunktionen und Misshandlungen werden in den dann professionellen russischen Streitkräften fortbestehen" (S298f). So weit, so gut, doch hier können wir unsere pazifistische Perspektive der Demilitarisierung der Gesellschaft als Antwort auf dedovshchina hinzufügen.

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