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das zerbrochene Gewehr Nr.66, Mai 2005

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15. Mai: Internationaler KDVTag: Schwerpunkt Griechenland

Editorial

Diese Ausgabe des "Zerbrochenen Gewehr" befaßt sich mit der Kriegsdienstverweigerung in Griechenland und dem Internationalen KDV-Tag. Seit den 1980er Jahren ist der Internationale KDV-Tag, der am 15. Mai begangen wird, ein wichtiger Aktionstag, um das Recht auf KDV in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. In diesem Jahr befassen wir uns mit den KDVern in Griechenland und werden ein internationales Seminar und Gewaltfreies Training in Thessaloniki abhalten (Einzelheiten unten).

Griechenland hat 1997 als letztes EU-Land das Recht auf Kriegsdienstverweigerung anerkannt. Trotz dieser Anerkennung gibt es zahllose Probleme mit dem griechischen KDV-Gesetz und seiner Durchführung, das Diskriminierungen gegen griechische KDVer mit sich bringt. In dieser Ausgabe zeigen wir, wie das Leben für griechische KDVer tatsächlich aussieht (siehe Interview mit Lazaros Petromelidis) und welche sozialen Auswirkungen Wehrdienstzwang und KDV haben (siehe Seite 3)

Wir haben Griechenland gewählt wegen der besonders schwierigen Situation griechischer KDVer, aber auch um die relativ neue und blühende KDV- und Antimilitarismusbewegung zu unterstützen (siehe Seite 2). Darüberhinaus hat es in diesem Jahr ein zunehmendes internationales Interesse an Griechenland gegeben, z.B. hat das UN-Menschenrechtskomitee im März die Mißbräuche der Menschenrechte in Griechenland untersucht. Die WRI war zu dieser Gelegenheit anwesend, um das Komitee über die KDV-Frage zu unterrichten und Änderungen vorzutragen, die vorgenommen werden sollten, wenn Griechenland anerkannten internationalen Standard erreichen soll.

Die WRI hat es sich zur Aufgabe gemacht, KDVer zu unterstützen und die Aufmerksamkeit auf antimilitaristische und KDV-Fragen zu lenken. Ich hoffe, Ihr und Eure Gruppe werdet diese Ausgabe des Zerbrochenen Gewehrs nützlich und informativ für Eure Aktionen finden. Bitte unterstützt die Arbeit der WRI und spendet großzügig.

Kat Barton, WRI-Mitarbeiterin

Ein Interview mit dem griechischen Militärdienst- verweigerer Lazaros Petromelidis

Lazaros Petromelidis ist ein griechischer Kriegsdienstverweigerer, der seit 1992 wegen seiner Überzeugung verfolgt wird. Mit Kat Barton sprach er über seinen langen Kampf für die Anerkennung des Rechts auf Verweigerung.

KB: Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass du es nicht mit deinem Gewissen vereinbaren könntest, zum Militär zu gehen?

LP: Das war 1991 als ich die Universität abgeschlossen hatte und der Zeitpunkt kam, zur Armee zu gehen - obwohl ich schon 1987/88 von den ersten Kriegsdienstverweigerern gehört hatte. Es war also nichts Neues für mich.

KB: Warum bist du Kriegsdienstverweigerer?

LP: Ich konnte mir mich selbst nie in der Armee vorstellen. Ich will das Recht haben, zu entscheiden, auf welche Weise ich diene. Niemand fragt sich, warum wir eigentlich im Militär dienen müssen, aber warum haben wir ein Heer von 100.000 Menschen - das sind zu viele - und warum geben wir der Armee so viel Geld?

KB: Was hast du gemacht, als du den ersten Einberufungsbefehl erhalten hast?

LP: Ich habe einen Brief geschrieben und darin erklärt, dass ich nicht gehen wollte, dass ich aber bereit sei, stattdessen einen alternativen Dienst zu leisten.

KB: Wie wurdest du vom Militär und den griechischen Behörden behandelt, als du dich zum Kriegsdienstverweigerer erklärt hast?

LP: Die Behörden beantworteten meinen Brief 2 Stunden nach dem Erhalt! Sie sagten, dass es in Griechenland keine Alternative zum Wehrdienst gebe und ich deswegen zur Armee müsse. Mein Brief war etwas Seltsames für sie. Obwohl sie schon von anderen Kriegsdienstverweigerern gehört hatten, wollten sie es nicht akzeptieren. Sie fragten mich, warum ich nicht gehen wolle. Sie erzählten mir, das sei doch nichts Schlimmes, und ich sei doch ein gebildeter junger Mann und solle nicht mein Leben zerstören!

KB: Welche Unterstützung hast du erhalten, als du zum ersten Mal deinen Status als Kriegsdienstverweigerer erklärt hast?

LP: Der Verein griechischer Kriegsdienstverweigerer hat mich unterstützt, so dass ich mit Leuten diskutieren konnte, die die gleichen Probleme hatten wie ich.

KB: Was denken deine Freunde und Familie darüber, dass du Wehrdienstverweigerer bist?

LP: Meine Freunde akzeptierten das als meine Entscheidung. Meine Familie hatte große Angst, weil das etwas ganz Neues für sie war. Sie hatten Angst vor Konflikten mit der Armee. Ich will mit ihnen nicht darüber reden, weil es sehr schwer für sie ist. Mein Vater hat zu mir gesagt: "Was du da tust ist sehr ernst. Denk an den Militärgerichtshof."

KB: Welche Konsequenzen hatte deine Überzeugung und die Reaktion der griechischen Behörden für dich?

LP: Zwischen 1992 und1996 gab es keine Probleme - in diesen 4 Jahren hat mich niemand belästigt. Aber alle wussten, dass 1997 ein neues Gesetz in Kraft treten würde und dass die Armee Wehrdienstverweigerer dann würde bestrafen wollen. Zu dieser Zeit mussten viele von uns sich festnehmen und ins Gefängnis stecken lassen, bevor wir unsere Kriegsdienstverweigerung und das Recht auf einen Zivildienst einfordern konnten. Das war einfach eine Rache gegen uns ältere Verweigerer. Für mich persönlich gab es Differenzen mit anderen Verweigerern, weil ich mich entschied, unter meiner bekannten Adresse zu Hause wohnen zu bleiben, während viele andere umzogen, um der Verhaftung zu entgehen.

KB: Wie oft bist du im Gefängnis gewesen, und warum?

LP: Drei mal. Das erste Mal 1998 wegen der Umgehung der Einberufung. 1999 hatte ich dann zwar einen anerkannten Status als Kriegsdienstverweigerer, aber man sperrte mich ein, weil ich mich weigerte, einen Zivildienst von 30 Monaten zu machen. Wenn ich zum Militär gegangen wäre, hätte ich 4 Monate gedient - ich kann nicht 4 Monate durch 30 ersetzen! Das dritte Mal war ich 2001 im Gefängnis. Hier in Griechenland wird man alle 3 Monate erneut zum Wehrdienst einberufen. Das heißt, du wirst aufgefordert zu kommen, du weigerst dich, du kommst ins Gefängnis, und dann fordern sie dich 3 Monate später wieder auf. Ich kann doch nicht alle drei Monate bestraft werden, weil ich nicht zum Militär will! Eigentlich sollte ich gerade jetzt auch im Gefängnis sein - im Dezember 2004 wurde ich in meiner Abwesenheit zu 2 ½ Jahren verurteilt - vielleicht kommt die Zeit, wenn sie beschließen, mich festzunehmen. Ich bin in ihren Händen - ich kann nichts tun.

KB: Wie haben sich die Einstellungen zur Wehrpflicht und zu Wehrpflichtverweigerern in Griechenland verändert, seit du dich deinem ersten Einberufungsbefehl widersetzt hast?

LP: In den späten 80ern und den frühen 90ern galt die Armee für die griechischen Jungen als ganz normales Ding, sie war akzeptiert. Niemand fragte "warum muss ich da hin?". Ich denke dass heute viele junge Männer nicht gehen wollen - also lassen sie´s einfach, oder sie gehen ins Ausland. Aber sie sagen das nicht in der Öffentlichkeit - sie haben Angst. Es ist einfach, in eine öffentliche Klinik zu gehen und zu sagen, dass du verrückt oder Alkoholiker bist - dann kriegst du ein Papier wo drauf steht, dass du untauglich bist. Das passiert oft in Griechenland. Vielleicht 3-4000 Leute jährlich benutzen diese Methode. Seit ich zum ersten Mal den Kriegsdienst verweigerte, hat sich einiges verändert. Das Hauptproblem ist die Dauer des Zivildienstes. Wir haben jetzt ein neues Gesetz nach dem der Zivildienst doppelt so lang wie der Militärdienst minus einen Monat ist.

Ich meine, dieses Gesetz ist besser als gar keines. Ich denke dass es jedes Jahr besser werden wird. Noch sind wir nicht so viele: nur 100 Kriegsdienstverweigerer aus ideologischen und etwa 1000 aus religiösen Gründen, vor allem Zeugen Jehovas - die kämpfen allerdings weniger öffentlich, sie sind nicht so aktiv wie wir. Es wäre besser, wenn es mehr Wehrdienstverweigerer gäbe.

KB: Wie sähe der Idealfall aus - welche Zugeständnisse würden die Griechischen Behörden Kriegsdienstverweigerern machen?

LP: Der alternative Dienst müsste genau so lange dauern wie der Militärdienst.

KB: Welchen Rat würdest du griechischen Männern geben, die darüber nachdenken, den Militärdienst zu verweigern?

LP: Habt keine Angst.

KB: Hast du manchmal Zweifel daran, deinen Kampf weiter zu führen?

LP: Nein, nein, nein!

KB: Was kannst du über die Bewegung griechischer Wehrdienstverweigerer sagen - wo steht sie heute, wohin entwickelt sie sich und wie sieht ihre Zukunft aus?

LP: Wir sind keine Bewegung, aber wir haben eine Stimme. In den letzten 2 Jahren sind wir wegen des Zulaufs von jungen Leuten zahlenmäßig gewachsen. Wir versuchen sie zu überzeugen, dass sie keine Angst haben müssen und dass wir sie unterstützen werden, wenn sie sich entscheiden, in die Öffentlichkeit zu treten. Das ist eine sehr wichtige Arbeit für uns. Die griechische Gesellschaft diskutiert nicht über Militärdienstverweigerung - wir haben diese Diskussion Ende der 80er begonnen, und wir werden sie weiter führen.

Wir verändern die Dinge - aber wir sind wenige. Es gibt mehr Verweigerer, die nicht mit dem Verein zusammenarbeiten wollen. Sie stehen für ihre Überzeugung, aber sie arbeiten allein. Wir erwarten nicht mehr als 2 oder 3 Fälle im Jahr - aber das ist besser als einer pro Jahr, wie es vorher war, also ist das sehr gut! Wir sind wenige, aber gemessen an unseren Kräften haben wir viel getan. In 10 oder 20 Jahren wird Griechenland eine Berufsarmee haben - dann werden wir eine Wehrdienstverweigererbewegung nicht so sehr brauchen wie jetzt. Bis es soweit ist, werden wir weiter machen.

Gewaltfreiheit globalisieren

Internationale Konferenz der WRI 2006: Aufruf an MitgliedsGruppen

Die sogenannte Triennale wird 2006 eine entscheidende Veranstaltung um die Zukunft unserer Organisation und unserer Bewegung zu gestalten. Bitte merkt euch den Termin vor: Die offene Konferenz findet vom 23. bis 27. Juli statt, die Geschäftssitzung am 28./29. Juli. Der Tagungsort befindet sich in der Nähe von Paderborn in NordrheinWestfalen.

Der Titel der Konferenz, Gewaltfreiheit globalisieren, hat eine dreifache Bedeutung: Wir streben an,

Wir denken, dass es wesentlich für die WRI ist, eine stärkere Verbindung mit dem Zusammenschluss der Bewegungen aufzubauen, die aus dem Widerspruch zur ,Globalisierung' erwachsen ist.

Entmilitarisierung ist die einzige Lösung Entmilitarisierung ist die einzige Lösung

von Nicos Trimikliniotis

Zypern, eine kleine geteilte Insel im östlichen Mittelmeer ist ein militärisches Minenfeld. Sogar nach dem Beitritt zur EU ist das Territorium keines Landes der Welt - mit Ausnahme von Korea - mit einer solch tödlichen Anhäufung von Waffen mit möglichen katastrophalen Konsequenzen für die Einwohner vollgestopft. 40000 Soldaten der türkischen Besatzer und weitere Tausend türkisch-zypriotische Soldaten stehen ein paar Tausend griechisch-zypriotischen Wehrdienstleistenden und ein paar Tausend griechischen Soldaten gegenüber; mit britischen Truppen und Basen und ein paar Tausend UN-Friedenskräften, die die Waffenstillstandslinie bewachen.

Seit dem Staatsstreich der griechischen Junta und den örtlichen EOKA B-Faschisten sowie der türkischen Militärinvasion im Jahre 1974 blieb Zypern durch die Grüne Linie getrennt. Von der Pufferzone aus (einer Art No-Man's-Land in der Mitte) kann man beide Gruppen von jungen Soldaten mit ihren entsprechenden "nationalen" Symbolen sehen. Einer sieht aus wie der andere: ihre Gesichtszüge sind die gleichen, ihre Jugend, ihre Langeweile, ihre Gewehre und diese furchtbaren grünen Uniformen - alles gleich.

Nach einer langen Zeit der Verhandlungen schlug die UN am 24. April letzten Jahres einen umfassenden Plan zur Lösung des Problems vor. Die griechisch-zypriotischen Einwohner stimmten mit "NEIN", während 64 % der türkisch-zypriotischen Bewohner mit "JA" stimmten. Dieses JA erhöhte die Risiken sogar noch. In der Vergangenheit war es die Türkei und die türkischen Zyprioten, die gegen eine Lösung waren. Aber es ist noch nicht alles verloren; der Weg zu Frieden und Versöhnung kann nicht lange versperrt bleiben.

Das "Zypernproblem" ist sicher nicht neu. Zypern liegt an einer strategischen Stelle zwischen drei Kontinenten, nahe am Ölproduzenten Mittlerer Osten. Für zahlreiche regionale imperiale Projekte ist Zypern ein hochgeschätzter Ort. Der "nicht versenkbare Flugzeugträger" des nahen Mittleren Ostens war ein lang begehrter Stationierungsort für viele Weltmächte. Es gibt aber noch eine weitere genauso tödliche Dimension: Nationalismus und Irredentabewegung - die zwei großen Einwohnergruppen schauen sich nicht gegenseitig an, sondern schauen nur auf ihre entsprechenden "Vaterländer".

Es wird Zeit, einen neuen Friedensaktivismus zu beginnen. Griechische und türkische Zyprioten müssen den Mut aufbringen, auf ein zweites Referendum hinzuarbeiten und die Brücken aus Vertrauen, Verstehen und gutem Willen zu bauen. Das "NEIN" spiegelte zu einem großen Teil das Gefühl der Unsicherheit und Angst der griechisch-zypriotischen Bevölkerung. Diese Ängste müssen angesprochen werden, wenn wir nächstes Mal eine bessere Chance haben wollen.

In der Zwischenzeit braucht man Vorstellungskraft, Aktionen und Initiaven, um Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen den zwei geteilten Einwohnergruppen herzustellen. Eine lebensnotwendige Maßnahme wäre die Forderung nach sofortiger Reduzierung aller Truppen bis zur vollständigen Entmilitarisierung der Insel. Die Waffenindustrie und die Verfechter von Hass-Ideologien und Nationalismus lehnen einen solchen Ansatz ab. Zusätzlich müssen eine Anzahl weiterer Initiaven für Frieden und Aussöhnung jetzt gestärkt werden. Solche Maßnahmen dürfen jedoch keine reinen taktischen Manöver für die Medien oder für Öffentlichkeitszwecke sein; sie müssen seriös, robust und legitim sein.

Jetzt ist die Zeit für Friedensaktivismus und wirkliche, einfallsreiche gemeinsame Aktionen. Gewerkschaften, Frauengruppen, Jugendgruppen, Bürgervereinigungen und Nicht-Regierungsgruppen müssen in diesem kritischen Augenblick zusammenarbeiten, um alle "staatlichen" und "ethnischen" Grenzen zu überwinden. Das ist die höchste Garantie für Freiheit und Sicherheit, über alle legalen und internationalen Garantien, die natürlich auch begrüßt werden.

Ein neuer Antrieb für Friedens- und Aussöhnungsaktivismus wird gebraucht, und alle Energien müssen darauf verwendet werden, das Vertrauen wieder aufzubauen, das wir im Laufe der Jahre verloren haben. Frieden in Zypern kann nur erfolgreich gehalten werden, wenn er zu der totalen Entmilitarisierung der Insel führt.

Internationaler KDV-Tag am 15. Mai

Was?

Seit den 1980er Jahren ist der Internationale KDV-Tag mit gewaltfreien direkten Aktionen zur Unterstützung der Arbeit für die KDV begangen worden. In jedem Jahr wird ein Land besonders herausgestellt und mit dezentralen Aktionen rund um die Welt begleitet. Die diesjährigen Aktivitäten konzentrieren sich auf Griechenland u.a. mit einem Seminar zu Gewaltfreiheit und Training in Gewaltfreier Aktion vom 9. bis 14. Mai.

Wann?

Sonntag 15. Mai (mit Seminar & Training vom 9. bis 14. Mai)

Wo?

Thessaloniki in Griechenland

Warum?

Obgleich Griechenland seit 1997 ein Gesetz zur Kriegsdienstverweigerung hat, genügt dies nicht internationalem Standard und bereitet KDVern zahlreiche Probleme und führt zu Diskriminierungen. Das KDV-Gesetz und der Fall von Georgios Monastiriotis, der sich weigerte, an griechischen militärischen Operationen zur Unterstützung der Besatzung des Irak teilzunehmen, haben zu zunehmendem Interesse an der Kriegsdienstverweigerung und der griechischen KDV-Bewegung geführt. Zusammen mit der Tätigkeit der UN-Menschenrechtskomitee vom letzten Monat, ist dies eine gute Gelegenheit für zunehmende internationale Aktivitäten zur Kriegsdienstverweigerung in Griechenland.

Ziele

-Stärkung der Vereinigung der Griechischen Kriegsdienstverweigerer durch internationale Unterstützung. - Das Wissen über die Behandlung der KDVer in Griechenland auf internationaler Ebene steigern. - Die Frage der Kriegsdienstverweigerung in Griechenland mit gewaltfreiem Widerstand und gewaltfreier direkter Aktion als Mittel sozialer Veränderung verknüpfen. - Erfahrungsaustausch gewaltfreier direkter Aktion zwischen griechischen und anderen Gruppen. Stärkung der internationalen Netzwerke der Kriegsdienstvergeigerer durch gemeinsame Aktion und Training.

Training

Das internationale Training für gewaltfreie Aktion soll TeilnehmerInnen aus Europa und Griechenland zusammenbringen, die das Training zum praktischen Austausch für gewaltfreie Aktion nutzen sollen. Das Training soll gleichfalls Vorbereitung für eine gewaltfreie Aktion am 15. Mai sein.

Kontakt

WRI, 5 Caledonian Rd, London N1 9DX, Grossbritannien, www.wri-irg.org; kat@wri-irg.org; Tel. +44-20 7278 4040.

Soziale Folgen des Zwangsdienstes & der Kriegsdienstverweigerung in Griechenland

von Michael Moutoussis

Militärdienstzwang hat in Griechenland weitreichende Folgen für die griechische Gesellschaft. Dazu gehören finanzielle Folgen wie wichtige Auswirkungen auf die Sozialisation von Männern und die Verbreitung von stereotypen Ansichten von Gender, sexuellen, rassischen und internationalen Vorstellungen.

Kriegsdienstverweigerung spielt eine wichtige Rolle, viele dieser Strukturen in Frage zu stellen. Obwohl dies ein weites Feld ist, wollen wir versuchen, von einigen einen Überblick zu geben.

Die ökonomische Rolle des Militärdienstzwanges

Die griechische Armee ist keine 'Wehrpflichtarmee`, denn die Offiziere sind Berufssoldaten. Die Wehrpflichtigen werden als unbezahlte Arbeiter benutzt, um die militärischen Institutionen aufrechtzuerhalten. Die Armee gibt nur das Allernotwendigste zum Überleben, so daß die Wehrpflichtigen finanzielle Unterstützung von ihren Familien benötigen. Wenn die Familien sich das nicht leisten können, gewährt die Armee 'Dienstaufschub aufgrund psychischer Störung`. Der Wehrpflichtige kann dann nach Hause und arbeiten gehen. Aber mit der hohen Belastung psychischer Stigmatisierung. Wehrpflichtige der 'Mittelklasse` erleiden einen noch höheren Verdienstausfall, aber sie sind in einer viel besseren Lage, den Verdienstausfall zu verkraften.

Der Großteil elterlicher Finanzhilfe wird nicht in den Heimatstädten sondern in der Umgebung der Kasernen ausgegeben. Der Militärdienstzwang benachteiligt somit die Eltern und gereicht besonderen provinziellen Gesellschaften zum Vorteil. Kürzliche Initiativen, den Militärdienstzwang zu reduzieren, sind daher auf starken Widerstand parasitärer Wirtschaftsbereiche in der Umgebung von Kasernen gestoßen.

Außerdem sind die Wehrpflichtigen nicht Teil der allgemeinen Arbeitswelt und der Militärdienstzwang hält daher die Arbeitslosenzahl künstlich niedrig.

Militärdienstzwang und die 'hellenisch-christliche` Ideologie

Die Griechen sind so indoktriniert, daß sie die Armee in einer heiligen Rolle sehen. Schukindern wird glauben gemacht, daß Gott tatsächlich dem Heiligen Konstatin, dem ersten byzantinischen Kaiser, am Abend vor einer großen Schlacht die Vision eines Kreuzes mit der Inschrift "Hierin wirst Du siegreich sein" geschickt hat. Die herrschende 'hellenisch-christliche` Ideologie sieht auch heute noch die Armee als Retter der Rasse. Militärdienstzwang wird demzufolge als eine heilige und zugleich praktische Pflicht dargestellt. Diejenigen, die aus Gewissensgründen dagegen sind, werden als Verrräter der höchsten Ideale stigmatisiert.

Die religiöse Rechte, angeführt von hohen orthodoxen Priestern, wiederholt ständig die obige Ideologie. Dies ist besonders wirksam, wenn Griechenland sich bedroht fühlt, und das ist oft der Fall.

Die Sozialisation von Männern durch den Militärdienstzwang

Militärdienstzwang soll 'Männer` aus griechischen 'Jungen` machen. Hier folgt die charakteristische Äußerung eines Offiziers, gegenüber einem neuen Rekruten, der zwei Minuten zu spät kommt. Der Offizier brüllt den Rekruten vor einem weiblichen Unteroffzier und einigen Wehrpflichtigen an: "Wenn eine russische Nutte wartet, damit Du sie fickst, wirst Du zu spät sein? Wenn Du dann nicht zu spät bist, warum wagst Du es, jetzt zu spät zu sein?" Diese Randbemerkung faßt die grotesken Beleidigungen, den Rassismus und Sexismus, den die Wehrpflichtigen erleiden müssen, zusammen. All dies gärt hinter einem Bild politischer Korrektness, die öffentlich durch die Armee dargestellt wird.

Militärdienst soll 18jährigen helfen 'flügge` zu werden, Teamarbeit und Verantwortung zu lernen. In Wirklichkeit macht die Armee die Wehrpflichtigen abhängig und äußerst institutionalisiert. In der Armee lernen Griechen, wie man andere ausbeutet, um dem Dienst oder einer Gefahr aus dem Wege zu gehen. Einen günstigen Posten zu kriegen ist eine wichtige Sache. Im Kriege sind die armen Jungs das Kanonenfutter. Die meisten Reichen dagegen sitzen in den Büros.

Der Militärdienst trainiert Männer, Hierarchien und Rituale zum Schikanieren zu erfinden. Ein Beispiel ist das sogenante 'Senioritätsprinzip`, mit dem neue Rekruten von denen, die schon länger dienen, bis zur Erschöpfung gejagt und rituell gedemütigt werden. Griechische Männer wissen, daß die geschriebenen Regeln fair sind, die ungeschriebenen dagegen voller Mißbräuche. Sie lernen, daß sie solch ein System nicht abschaffen können, also machen sie mit.

Mißhandlung von 'Freund` und 'Feind` ist um so schlimmer je mehr Wehrpflichtige Konflikten ausgesetzt sind. Immigranten, die entlang Griechenlands nördlicher 'bedrohter` Grenze gefangen werden, wenn sie versuchen Griechenland zu betreten, werden von griechischen Wehrpflichtigen oft extrem gedemütigt und wie Sklaven behandelt. Die Gefangenen sind 'nur` Albaner, leichtes Spiel für alle, die in griechisch militärischem Rassismus sozialisiert sind. In mehr zivilierten Einheiten ist Schikanieren 'übliche Praxis`, z.B. neue Rekruten jagen und ihnen Teile der Kleider vom Körper reißen. Es ist daher nicht überraschend, daß Untersuchungen zeigen, daß Militärdienst zu psychischen Störungen führt. Wehrpflichtige leiden an vielen psychischen Störungen. Das Militär jedoch diagnostiziert diese jungen Männer als 'unangepaßt`. Die Schlußfogerung ist klar: 'Unangepaßte` sind nicht fit für das militärische Leben und werden daher oft aus medizinischen Gründen entlassen. Sie müssen diesen 'medizinischen` Status bis in alle Zukunft vorweisen, wenn sie eine öffentliche Anstellung anstreben.

Wehrdienstzwang und sexuelle Sozialisierung

Militärdienst sozialisiert Männer in Genderrollen. Griechen wird gelehrt, daß sie 'Frauen` schützen müssen. 'Schützen` hat einen besonders sexuellen Aspekt: Es ist (hauptsächlich) gegen Türken gerichtet, die angeblich einfallen, um "unsere Frauen" zu vergewaltigen und "aus uns yusufakia (Kinder-Sexsklaven) machen würden". So gesehen sind KDVer oft mit der Entrüstung weiblicher Verwandter konfrontiert: 'Du willst nicht zur Armee gehen, um mich vor den Türken zu beschützen?` oft mit ausdrücklichem Hinweis auf die Gefahr der Vergewaltigung. All dies hat eine sozial zersetzende Wirkung: Feminität ist ein Familienzustand, der gewaltsame Verteidigung durch sozial gehorsame Männer erfordert.

In der allgemeinen griechischen Vorstellung bedeutet Soldatsein zu verhindern, daß Jungen feminin werden, um sie somit vor Homosexualität zu schützen. In Wirklichkeit werden unter den Wehrpflichtigen viel homosexuelle Gefühle geweckt. Manchmal wird das deutlich, wenn bekleidete Wehrpflichtige analen Verkehr imitieren. Gleichzeitig wird das jedoch entschieden geleugnet: Wehrpflichtige beschuldigen sich gegenseitig in homophober Manier des Schwulseins 'faggotry' , prahlen mit ihrer 'Männlichkeit`, indem sie zu lap dancing Clubs gehen und in den Kasernen Porno Video-Shows organisieren. Sie lernen Lieder, die davon handeln, in türkische Dörfer einzufallen und die BewohnerInnen zu vergewaltigen. Andererseits sind die sexuellen Beziehungen der wirklichen (privaten) Welt harten Prüfungen ausgesetzt. Partner erleiden eine erzwungene, lang anhaltende Trennung von den Wehrpflichtigen, deren Gefühlswelt durch die militärische Gendersozialisation entstellt wird. Daraus folgende Trennungen sind sehr traurig und fördern weitere unheilvolle Genderstereotypen: z.B. sprechen Wehrpflichtige, deren Freundinnen sie verlassen haben, oft davon, daß 'alle Frauen untreue Nutten sind`.

Die Spannungen in den Beziehungen sind bei KDVern noch stärker. Partner erfahren den strafenden Charakter des Ersatzdienstes des griechischen Staates als eigene Entscheidung der KDVer selber und daher als eine Schande für ihre Beziehung. Sie müssen längere Trennungen und wirtschaftliche Härten aushalten. Viele der besten Beziehungen gehen dadurch auseinander.

Die sozialen Folgen der Kriegsdienstverweigerung

Griechische KDVer haben die gängige Meinung, 'Feiglinge` zu sein, überwunden. Es ist völlig klar geworden, daß viel mehr Mut dazu gehört, die Kriegsdiensverweigerung zu erklären, als zum Militär zu gehen, wo es zahlreiche Mechanismen gibt, sich vor Gefahr und Dienst zu drücken. Amnesty International, das Europäische Parlament und viele andere internationale Organisationen haben gefordert, daß Kriegsdienstverweigerung in Griechenland ein Recht werden soll und haben die griechische Regierung in große Verlegenheit versetzt. Allmählich beeinflussen sie die griechischen Menschen, KDV als eine legitime Haltung anzusehen und nicht als Hochverrat.

Kriegsdienstverweigerung einiger weniger Soldaten während der letzten Kriege (Jugloslawien, Irak) haben die 'heilige` Rolle der Armee ernsthaft in Frage gestellt. Die griechische Beteiligung an den erwähnten Kriegen ist äußerst unpopulär, aber KDV von Soldaten ist immer noch völlig illegal. Diese Situation zwang die Medien, die weitere Öffentlichkeit über KDV zu informieren und sorgte für unvorhergesehene Publizität und Unterstützung für die Ansichten anerkannter KDVer.

Griechenland wird wahrscheinlich in wenigen Jahren eine vollkommen freiwillige Berufsarmee haben. Dies würde den Militärdienstzwang für den Einzelnen abschaffen, wenigstens in den Jahren bis zum nächsten großen Krieg. Griechische KDVer haben jedoch immer noch einen schweren Kampf vor sich, für ihre Rechte respektiert zu werden, damit das Stigma und die Diskriminierung gegen sie und der griechische Militarismus ein Ende hat.

Danksagung: Danke an die Mitglieder der Vereinigung Griechischer Kriegsdienstverweigerer für ihre hilfreichen Kommentare.

WRI-Bericht und Besuch der UNO

Als das Komitee für Menschenrechte der UNO seinen Plan ankündigte, Menschenrechtsverletzungen in Griechenland zu untersuchen, sah die WRI eine Gelegenheit, Probleme der Kriegsdienstverweigerung auf die internationale Tagesordnung zu bringen und das Profil des griechischen Kampfes gegen Militarismus bedeutend zu schärfen

Im März dieses Jahres hat die WRI einen umfassenden Bericht über Verweigerung des Militärdienstes aus Gewissensgründen in Griechenland verfasst, der zahlreiche Verletzungen der Menschenrechte auflistet. Der Bericht beschreibt die Gesetzeslage in Griechenland zu Rekrutierung und KDV und entwirft dann die Probleme und Diskriminierungen, die das gültige Gesetz verursacht. Er beschreibt die Verletzungen international anerkannter Normen, besonders von UNO-Resolutionen und nutzt den Artikel 18 der Internationalen Vertrages über zivile und politische Rechte (ICCPR) als Prüfstand.

Einige der Hauptprobleme, die von dem Bericht aufgeworfen worden sind, betreffen die als Strafe wirkende Länge des Ersatzdienstes, den Ausschluss von Berufssoldaten von der Anerkennung als KDVer und den Verlust ziviler und persönlicher Rechte, den KDVer in Griechenland erleiden. Ganz besonders wichtig: Der Bericht betont die Tatsache, dass es zum Normalverfahren in Griechenland gehört, dass KDVer wiederholt für das selbe Vergehen der "Flucht vor Einberufung" vor Gericht gestellt und zu Gefängnis verurteilt werden - ein Vorgehen, das internationales Recht verletzt.

Mit Hilfe von Fallstudien ist der Bericht in der Lage, die harte Behandlung von KDVer durch die griechischen Behörden zu beleuchten und fügt so einem komplexen Thema eine menschliche Dimension hinzu.

Der Bericht wurde dem UN-Menschenrechtskomittee am Tage der Eröffnung seiner 83. Sitzung im Büro der UNOin New York vorgestellt. Kat Barten, Mitglied des WRI-Büros, sprach mit dem Komitee und redete über die Probleme für griechische KDVer. Sie drängte das Komitee, die Ergebnisse zu berücksichtigen, wenn sie die Normen für Menschenrechte in Griechenland betrachteten. Mit sechs Ländern, über die berichtet werden soll und mehren verschiedenen Themen, die behandelt werden mussten, ist diese Beratung mit Nichtregierungsorganisationen ein wichtiger und notwendiger Teil der Arbeit des Komittees und sicherlich eine lohnende Übung für die WRI in Hinsicht auf die Beeinflussung der griechischen Politik zur KDV.

Nachdem das Komitee die Situation der Menschenrechte in Griechenland untersucht hatte, verteilte es eine Pressemitteilung, in der es seine Hauptsorgen und die folgende Antwort Griechenlands umriss. Aus diesem Dokument ging klar hervor, dass die Probleme der KDV in den Augen einiger der Mitglieder des Komitees ganz hoch angesiedelt sind. Sie kritisierten die griechische Regierung mit den Worten, das Recht auf KDV sei nicht gewährleistet noch sei es angepasst an den Artikel 18 des Vertrages (des Internationalen Vertrage über zivile und politische Rechte). Wir hoffen, dass Griechenland sich angesichts dessen nun bewegt und bestimmte Änderungen benennt, die es in Hinsicht auf KDV auszuführen gedenkt. Tatsächlich urteilte bereits am 1. April das Militärgericht in Athen, dass dem Zeugen Jehovahs und frühere´n Rekruten der russischen Armee Sergey Gutarov erlaubt wurde, den zivilen Ersatzdienst anzutreten, obwohl er vorher in den Streitkräften gedient hatte.

Bei ihrem Besuch in New York konnte Kat auch das NRG-Komitee zur KDV und die War Resisters` League treffen - den amerikanischen Zweig der WRI - um sie über die Inhalte des Berichtes zu informieren und sie über die Fortsetzung der Arbeit der WRI über KDV in Griechenland auf dem laufenden zu halten.

Der komplette Bericht der WRI mit dem Titel "Conscientious Objection To Military Service in Greece: Human Rights Shortfalls" ist online erhältlich unter www.wri-irg.org/news/2005/greece05a-en.htm oder kann vom Büro telefonisch angefordert werden: +44 207 278 4040.

Übersetzung aus dem Englischen: Gerd Büntzly

Der Kampf für das Recht auf KDV in Griechenland: ein historischer Abriss

In Griechenland wurde die Wehrpflicht mit der Verfassung von 1911 eingeführt, und schon ein Jahr später beteiligte sich der Staat über ein ganzes Jahrzehnt hinweg an mehreren aufeinander folgenden Kriegen (zwei Kriege auf dem Balkan, der Erste Weltkrieg und die Offensive in Kleinasien). Während der beiden letzten Jahre gab es eine große Desertionswelle in der griechischen Armee, was hauptsächlich Folge der langen Dienstdauer war - manche Rekruten wurden 1911 einberufen und erst 1923 entlassen. Aus dieser Zeit sind keine Fälle von Kriegsdienstverweigerung aus Überzeugung bekannt.

Zeugen Jehovas

Außer den Zeugen Jehovas stellte während der nächsten 60 Jahre niemand die Wehrpflicht in Frage. Die Militärgerichte verurteilten die KDVer dieser Religionsgemeinschaft zu extrem langen Haftstrafen, so dass ein Zeuge Jehovas in der Regel 10-15 Jahre im Militärgefängnis verbrachte. Während des Bürgerkriegs (1946-49) wurden mehrere von ihnen zum Tode verurteilt und erschossen (Iohannis Tsoukaris am 11. Februar 1949 und Georgios Orfanidis am 2. März 1949). Der letzte Zeuge Jehovas, gegen den ein Todesurteil verhängt wurde, war Hristos Kazanis (1966), dessen Strafe jedoch auf internationalen Druck hin in eine vierjährige Haftstrafe umgewandelt wurde. Ein anderer Angehöriger dieser Gruppe, Vasileios Karafatsas, wurde am 23. Juni 1971 bei der Verlegung in eine andere Haftanstalt ermordet.

In den frühen 1980er Jahren regte sich in der griechischen Gesellschaft Kritik an der Wehrpflicht und der dominanten Rolle der Armee. Drei Jahre zuvor, im September 1977, hatte sich die griechische Regierung aufgrund anhaltenden Drucks des Europarats gezwungen gesehen, ein Gesetz zu verabschieden, das den Umgang mit den Verweigerern aus den Reihen der Zeugen Jehovas regelte. Danach mussten sie entweder 4 Jahre lang nicht-bewaffneten Militärdienst ableisten oder diese Zeit im Gefängnis verbringen.

Den ersten Diskussionen über das Recht auf KDV ging eine Bewegung für die Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte der Rekruten voraus. Während die linken Parteien der Kriegsdienstverweigerung argwöhnisch gegenüberstanden, stießen die junge Umweltbewegung, ein Teil der anarchistischen Bewegung und einige der Tausende Wehrflüchtigen, die im Ausland lebten, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema an. In diesem Jahrzehnt leisteten die Zeitschriften "Oikologiki Efimerida" ("Umweltjournal") und "Arnoume" ("Ich verweigere") den wichtigsten Beitrag zur Diskussion um KDV und für eine Kultur des Antimilitarismus.

Ideologische KDVer

Im Dezember 1986 gab Michalis Marangakis öffentlich seine Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen bekannt. Als echter Beweis des Antimilitarismus stellte diese Erklärung den Wendepunkt für die KDV-Bewegung in Griechenland dar. Drei Monate später wurde er festgenommen und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, was allerdings in der Berufungsverhandlung auf 26 Monate verkürzt wurde. Kurz darauf erlitt Thanassis Makris dasselbe Schicksal, dessen zunächst fünfjährige Haftstrafe auf 18 Monate reduziert wurde. Beide wurden vorzeitig entlassen, nachdem sie zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen hatten.

Die Verhaftung von Michalis

Die Haft von Michalis Marangakis und Thanassis Makris sowie ihr Kampf für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung riefen eine nie da gewesene Welle internationaler Solidarität hervor. Die beiden Betroffenen nahmen eine Reihe langer Hungerstreiks auf sich (Michalis Marangakis führte drei über 71, 50 bzw. 20 Tage durch, Thanassis Makris zwei über 55 und 33 Tage), was schließlich die Regierung zum Einlenken und zu ihrer Freilassung bewegte.

Internationale Solidarität

Während dieser dreijährigen Periode gingen beim griechischen Verteidigungs- und beim Außenministerium täglich Hunderte von Briefen aus dem Ausland ein, in denen die Anerkennung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung und die Freilassung der Inhaftierten gefordert wurden (tatsächlich gestand der Präsident Griechenlands im Februar 1990 bei einem Treffen mit Vertretern eines KDV-Zusammenschlusses, dass er zu seiner Zeit als Außenminister im Jahr 1998 täglich 600 Protestbriefe erhielt!). Diese Kampagne war das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen von Amnesty International, dem Europäischen Büro für Kriegsdienstverweigerung und War Resisters' International.

In Griechenland organisierte das Solidaritätskomitee für Kriegsdienstverweigerer Hunderte von Treffen sowie diverse Demonstrationen im ganzen Land, und innerhalb eines Jahres erklärten mehr als 20 Leute ihre Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen. Dank der Aktionen von Michalis Marangakis und Thanassis Makris überwanden wir unsere Angst vor dem Gefängnis und zwangen die Regierung, die politischen Parteien und sogar die ganze Gesellschaft, der Realität der KDV ins Auge zu sehen.

Angesichts der überwältigenden internationalen Solidarität mit griechischen Kriegsdienstverweigerern konnte die Regierung im Februar 1988 nicht umhin, die Möglichkeit des nicht-bewaffneten Militärdienstes auf alle Verweigerer auszuweiten. Nur wenige Monate später brachte sie die Idee ins Gespräch, das Recht auf KDV anzuerkennen und einen zivilen Ersatzdienst von der doppelten Dauer des Militärdienstes einzuführen, doch dieser Vorschlag wurde nie dem Parlament vorgelegt.

Aus Angst vor einer mächtigen internationalen Kampagne vermied die griechische Regierung in den 1990er Jahren die Inhaftierung von Kriegsdienstverweigerern aus Gewissensgründen (allerdings wurden Zeugen Jehovas, die bei Militäreinheiten antraten und das Tragen der Uniform verweigerten, regelmäßig zu vier Jahren Gefängnis verurteilt).

Dennoch waren Haftbefehle in Kraft, weshalb die meisten KDVer aufgrund des Repressionsdrucks quasi im Untergrund lebten. Sie hatten und haben bis heute kein Recht auf einen Pass und müssen die Adresse wechseln, um einer Festnahme zu entgehen. Immer wieder suchten Polizeibeamte ihre Eltern in deren Wohnung auf und bedrohten sie.

Zwischen 1990 und 1997 wurden nur drei Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen verhaftet, nämlich 1991 die beiden Anarchisten Nicos Maziotis und Pavlos Nathanail und 1995 Nicos Karanicas. Obwohl die Prozesse gegen Nicos Maziotis und Pavlos Nathanail während einer Welle nationalistischer Paranoia stattfanden und beide jede Art von zivilem Ersatzdienst abgelehnt hatten, erhielten sie nur einjährige Bewährungsstrafen. Wenige Monate später wurde Nicos Maziotis erneut festgenommen, aber nach einem 50tägigen Hungerstreik wieder freigelassen. Gegen Nicos Karanicas wurde eine fünfjährige Haftstrafe verhängt, die in der Revisionsverhandlung jedoch ebenfalls zu einem Jahr auf Bewährung reduziert wurde.

Gesetzliche Anerkennung

Die Verabschiedung des Gesetzes 2510/97 am 6. Juni 1997 durch das griechische Parlament brachte einen zivilen Ersatzdienst mit sich, der 18 Monate länger ist als der Militärdienst, und läutete damit eine neue Ära ein, in der Kriegsdienstverweigerer für die Anerkennung ihrer Rechte und die Herabsetzung der Dienstdauer kämpfen. Die anhaltende Repression gegen Lazaros Petromeldis ist eine Folge dieses Kampfes.

Yannis Chryssoverghis

Der Verein griechischer KDVer ist erreichbar unter: Association of Greek COs, Tsamadou 13, 10683 Athen, Griechenland. Tel +30-6944542228, Fax: +30-2104622753; email greekCO@hotmail.com; http://www.omhroi.gr/SAS

WRI Seminar

Die War Resisters' International und der Myrtle Solomon Memorial Trust veranstalten in Zusammenarbeit mit Korea Solidarity for Conscientious Objection (KSCO), Solidarity for Peace and Human Rights (SPR), World Without War und WRI Korea: Frieden in Nord-Ost Asien Internationales Seminar, 26.-29. Juni 2005 @ Bongdo Buddhist Centre, Seoul, Korea Teilnahmebeitrag für internationale TeilnehmerInnen: US$200 inkl. Unterkunft und Verpflegung Diskutiere gemeinsam mit AktivistInnen aus aller Welt über Frieden in Nordost-Asien, insbesondere zu Fragen "Nationaler Sicherheit", gewaltfreier Alternativen und einer Strategie der Friedensbewegung für die Zukunft.

Anmeldung online unter http://wriirg.org/news/2005/regform.htm oder beim WRI-Büro: WRI, 5 Caledonian Rd, London N1 9DX, Grossbritannien, Tel +44-20-72784040, Fax +44-20-72780444, email info@wri-irg.org

Mehmet Tarhan verhaftet

Am 8. April wurde der schwule türkische Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan in Izmir verhaftet und zu "seiner" Einheit in Sivas überstellt. Er ist des "Ungehorsams vor versammelter Mannschaft" angeklagt, was mit 3 Monaten bis zu 5 Jahren Haft geahndet werden kann. Aktuelle Informationen zu seiner Situation finden sich auf der Internet-Seite der WRI unter http://wri-irg.org/cgi/news.cgi

Das Zerbrochene Gewehr

Das Zerbrochene Gewehr ist das Mitteilungsblatt der War Resisters' International und wird in englischer, spanischer, französischer und deutscher Sprache veröffentlicht. Dies ist Ausgabe 66, Mai 2005.

Diese Ausgabe wurde von Kat Barton zusammengestellt. Besonderer Dank gilt Yannis Christovergis und dem Verein Griechischer Kriegsdienstverweigerer. Weitere Exemplare dieses Zerbrochenen Gewehrs sind vom WRI-Büro erhältlich oder als Download von unserer Website.