Strasbourg – nördliche Blockade

Als Teil der Proteste gegen den NATO-Gipfel wurden mehrere Blockaden organisiert, um den Zugang zur roten Zone – den Teil Strasbourgs, der komplett abgeriegelt war und wo der Gipfel stattfand – zu stoppen oder zu behindern.

Die Blockaden wurden unter dem Schirm von “Block-NATO” organisiert. Eine dieser Blockaden, die nördliche Blockade, organisiert von “NATO-ZU”, war ausdrücklich gewaltfrei.

NATO-ZU, das im Camp einen eigenen Barrio und Zelte für Trainings hatte, war nach dem Konsensprinzip mit einem SprecherInnenrat organisiert, in den jede Bezugsgruppe eine/n Vertreter/in entsendete.
Während jede/r sich zu jeder Zeit an NATO-ZU beteiligen konnte (solange man/frau den Gewaltfreiheitsrichtlinien zustimmte), so mussten die Gruppen doch innerhalb dieser Strukturen arbeiten. Informationen wurden an die Gruppen nur über diese Struktur vermittelt.
Diese Organisationsstruktur scheint einen Unterschied gemacht zu haben – während alle anderen “Block-NATO”-Gruppen, die einen öffentlichen Treffpunkt angegeben hatten, bereits am Treffpunkt von Polizei angegriffen wurden, konnte NATO-ZU den eigenen Blockadepunkt ohne irgendwelche Probleme erreichen.

Um sicherzustellen, dass wir nicht von Polizei eingeschlossen würden, verliess die Mehrheit von NATO-ZU das Camp bereits am Freitag Abend, und übernachtete an anderen Orten in der Stadt oder auf Campingplätzen. Der Blockadepunkt und der Blockadezeitpunkt waren vereinbart, und am Samstag Morgen bewegten sich viele kleine Gruppen zur gleichen Zeit zum Blockadepunkt. Dieser Punkt – eine vierspurige Strasse, eine der wichtigsten Zugangsstrassen im Norden Strasbourgs – wurde problemlos blockiert.

Die Menschen setzen sich friedlich hin und warteten. Nach kurzer Zeit erschien behelmte Polizei, um die Lage zu sondieren. Sie entschieden, sich auf 200m von der Blockade zurückzuziehen, und blieben dort. Die Blockade dauerte fünf Stunden, und zu diesem Zeitpunkt entschieden die BlockiererInnen im Konsens, dass sie ihr Ziel erreicht hätten (der Gipfel hatte lange angefangen, und es gab niemanden mehr zu blockieren), und dass man jetzt gehen könne, um sich der Demonstration anzuschliessen.

Die Aktion war ein Erfolg. Wir haben nicht alle Zugänge zum Gipfel blockiert – und mit einigem Aufwand konnte der Verkehr umgeleitet werden – doch es war von Anfang an klar, dass dies eine symblische Aktion sein wird.

Wir haben uns in einer demokratischen und effizienten Struktur organisiert; wir haben unsere Aktion als Gruppe geplant; und wir beendeten die Aktion, als wir uns dazu entschieden hatten. Wir gaben nicht nach aus Angst vor Polizeirepression, und wir waren alle darauf vorbereitet, verhaftet zu werden; doch gleichzeitig erkannten wir an, dass es eine symbolische Aktion war, und wir nahmen keine unnötigen persönlichen Risiken in Kauf. Und zum Schluss: wir boten eine alternative Form des Widerstandes, alternativ zur Gewalt einiger Elemente des schwarzen Blocks, deren Aktionen letztlich nicht weniger symbolisch waren als unsere.

sna

(Übersetzung von http://www.indymedia.org.uk/en/2009/04/426974.html)