Revolutionäre Gewaltfreiheit in Afrika

Alte Verpflichtungen, neue Hoffnungen

zusammengetragen von Matt Meyer

Die Geschichte und die neuzeitlichen Kämpfe auf dem Kontinent Afrika liefern den Befürwortern revolutionärer Gewaltfreiheit (d. h. sowohl Verpflichtung zu radikalem sozialem Wandel wie auch Stra- tegien und Taktiken von "Seelenkraft" ohne Waffen) viele Beispiele für große Hoffnung.

Von den frühen panafrikanischen Bewegungen - als der ghanesische Führer Kwame Mkrumah als Gandhi Afrikas beschrieben wurde - über die Erfolge der Antiapartheid-Bewegung bis hin zu den Graswurzelgruppen von Frauen, die sich zur Zeit der Konfliktlösungen und des Dialogs annehmen, zeigt der Kontinent, der vor einem Jahrhundert "dunkel" genannt wurde und heutzutage allgemein nur als "von Krieg zerrissen" angesehen wird, mehr Beispiele positiver pazifistischer Aktionen als die meisten Plätze auf dieser Erde. In der 2-bändigen Sammlung "Seeds of New Hope: Pan African Peace Studies for the Twenty-First Century" der Africa World Press (2008, Eds. J. Atiri und M. Meyer, siehe www.africaworldpress- books.com) haben sich Wissenschaftler und Aktivisten zusammengesetzt, um diese blühende Bewegung zu dokumentieren und zu diskutieren. Nachfolgend ein paar Ausschnitte aus einer Auswahl von Essays, die auch die Arbeiten von Jorgen Johansen (von der WRI), Chesterfield Samba, Jan Van Criekinge, Koussetogue Koude und Marianne Ballé Moudoubou enthalten sowie von Siliva Federici, Yash Tandon, Bernadette Muthien (IPRA), Rais Neza Boneza (Transcend), Joseph Sebarenzi und Elavie Ndura.

"Zur Zeit der Befreiungsbewegungen gab es sicher große Hoffnungen, aber die Saat der bevorstehenden Probleme waren auch vorhanden, da die Führer zu sehr auf die gleichen Methoden und Taktiken vertrauten, die auch die Kolonialherren angewandt hatten. Heute gibt es immer noch viele Probleme. Aber immer wieder sehen wir die Samen neuer Hoffnung, in Gesprächen mit Graswurzelaktivisten, auf Konferenzen mit Professoren und alternativen Wirtschaftlern, und in der in diesem Buch enthaltenen Präsentation. Meine Hoffnungen für das heutige Afrika drehen sich um den Glauben, daß wir die Beschränkungen überkommen werden, die entstehen, wenn Leute durch Macht verführt werden.

Ich hoffe und erwarte, daß Volksbewegungen wieder einmal aufblühen werden. Nur auf diese Art und Weise werden wir in der Lage sein, eine wirkliche Volksdemokratie zu erreichen."

  • Pan-Afrika-Ältester und Kriegsdienstverweigerer im 2. Weltkrieg, Bill Sutherland

"Afrikanische Frauen leisten Pionierarbeit was Friedensinitiativen angeht; sie verbinden auf innovative Weise die neueste Forschung und Theorien in gewaltfreier Konfliktlösung mit traditionellen Konfliktlösungs-Mechanismen. Sie legen die letzteren oft neu aus, indem sie Traditionen auf neuzeitliche Problem anwenden und die Rolle der Frauen ausbauen. Afrikanische Frauen spielen in Konflikten viele Rollen: als Opfer, als Täter, und als Führe- rinnen bei der Prävention, der Beendigung von Konflikten und beim Heilen der daraus entstandenen Wunden. Die Friedensinitiativen afrikanischer Frauen reichen vom Initiieren des Dialogs zwischen feindlichen Gruppen (wie in den von Frauen aus Nord- und Südsudan etablierten Untergrundnetzwerken); über das Mobilmachen ganzer Sektoren von Gemeinden, um Gewalt zu verhindern (wie die Frauen der Wajir-Friedensgruppe in Nordkenia); die Identifikation neuer Herausforderungen für den Frieden (wie die Arbeit an HIV/AIDS und Konflikt durch Femmes Africa Solidarité) bis zur Reintegration von Kindersoldaten in die zivile Gesellschaft (wie das die Frauen von Jamii Ya Kupatanisha in Gula, Uganda, tun). Sie heilen die in den Kriegen entstandenen Wunden, wie z. B. Pro Femmes/Twese Hamwe in Ruanda, die versuchen, Friedensdörfer zu bauen, in denen Hutu- und Tutsi-Witwen und -waisen zusammenleben können. In ihrer Arbeit interpretieren afrikanische Frauen Traditionen neu und erweitern den öffentlichen Raum für Frauen."

  • International Fellowship of Reconciliation officer Shelley Anderson

"Nach dem Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien in den Jahren 1998-2000, der Zehntausende Leben auf beiden Zeiten kostete und viele junge Leute zu Krüppeln machte, Tausende von Zivilisten vertrieb und den Staatsschatz aufbrauchte, stieg die Anzahl der Kriegsdienstverweigerer. Zur Zeit verweigern tausende Eritreer den Wehrdienst. Sie sind gezwungen, Eritrea zu verlassen und im Exil zu leben. Eine beachtliche Anzahl ist in Libyen, Äthiopien, im Sudan und sucht in Teilen von Europa politisches Asyl. In Eritrea ist Verweigerung aus Gewissensgründen Tabu. Verweigerer werden als Feiglinge ohne Patriotismus erachtet. Es gibt keinen alternativen Zivildienst. Desertion wird mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft; in Kriegszeiten gibt es sogar die Todesstrafe dafür. Wegen ihrer militärischen Natur toleriert die Regierung weder unabhängige Nicht-Regierungs-Organisationen noch Menschenrechtsgruppen noch internationale Beobachter oder Reporter. Wir sehen aber, dass die Verweigerung des Wehrdiensten den Weg zum Frieden bereitet. Wir brauchen Demokratie und Gesetze. Die Leute Eritreas befinden sich in einer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kriese. Wir brauchen dringend eine gesunde demokra- tische politische Atmosphäre, eine verfassungmäßig gewählte Regierung und ein politisches Vielparteiensystem. Es ist auch dringend erforderlich, daß alle politischen Gefangenen und Verweigerer freigelassen werden. Kriegsdienstverweigerung ist von sich aus pazifistisch hinsichtlich der Idee und den Lehren. Sie basieren auf Menschlichkeit und Moral. Wir glauben, dass sie gegen betrügende, verwirrende Propaganda von nationaler Einheit und national Souveränität, die zerstörerisch und immer provokativ sind, bestehen können."

  • Mitbegründer der eritreischen antimilitaristischen Initiative und Kriegsdienstverweigerer Yohannes Kidane

"Wenn die Leute nach Afrika gekommen wären und die Ressourcen gerecht geteilt hätten, hätten wir vielleicht nie die Konflikte, wie sie heute bestehen. Aber sie haben nicht gerecht geteilt. Wir werden nirgends auf der Welt Frieden haben, wenn wir nicht lernen, die Ressourcen gerecht zu teilen.

Wenn wir nicht lernen, die Menschenrechte - die Rechte der Frauen, der Umwelt - zu respektieren, werden wir keinen Frieden finden. Wir müssen sogar noch weiter gehen und sagen, dass noch andere außer uns, der menschlichen Rasse, auf diesem Planeten leben. Die anderen Rassen existieren auch, und sie haben das Recht auf unseren Respekt. Nur dann können wir friedlich leben."

  • Gründer der Grüngürtelbewegung und Nobelpreisträger 2004, Wangari Maathai