Tausende Gefangene im Militärgefängnis

Mehrere tausend Personen, die festgenommen worden sind, weil sie unter Ver- dacht stehen, sich dem Wehrdienst entziehen zu wollen, sind im Armeegefängnis Adi Abeto in großer Gefahr, misshandelt oder gefoltert zu werden. Nach einer Häftlings- revolte sind Berichten zufolge mindestens zwölf Gefangene getötet und viele weitere verwundet worden.

Am 4. November 2004 nahmen Angehörige der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Asmara willkürlich mehrere tausend vornehmlich junge Menschen fest, die sie verdächtigten, sich der Wehrpflicht zu entziehen. Die Fest- nahmen erfolgten sowohl auf der Straße, in Büros und Geschäften als auch an Straßensperren und in Privatwohnungen.

Die Festgenommenen wurden in das Armeegefängnis Adi Abeto außerhalb von Asmara gebracht. Die Bedingungen in dieser Militärhaft- einrichtung sind extrem schlecht, das Gefängnis ist überbelegt, es gibt keine ausreichende Nahrung und die sanitären Einrichtungen sind mangelhaft. Viele der Häftlinge werden gezwungen, bei niedrigen Temperaturen im Freien zu schlafen, obwohl sie weder Decken noch Schuhe haben. Zudem wird den Insassen der Kontakt zu Familienangehörigen und Rechtsanwälten verweigert.

Am 4. November 2004 sollen kurz vor Mitternacht einige Häftlinge eine Wand des Gefängnisses eingedrückt haben, wobei es sich offenbar um einen Fluchtversuch handelte. Daraufhin eröffneten Soldaten das Feuer und töteten mehrere Gefangene und verletzten viele weitere. Am 8. November 2004 gab der Informationsminister an, es seien zwei Gefangene getötet worden. Laut anderen Quellen sollen jedoch mindestens zwölf Insassen des Gefängnisses getötet worden sein, deren Leichen begraben und nicht den Familien übergeben wurden. Die verwundeten Gefangenen wurden ins Krankenhaus ge- bracht, wo sie ohne Kontakt zur Außenwelt unter Be-wachung stehen.

Amnesty International, 9.11.2004